Challenge Kaiserwinkl-Walchsee 2023 – oder Augen auf bei der Wettkampfwahl

Im Nachgang zur ereignisreichen Wettkampfsaison 2022, wir erinnern uns, der ersten nach Corona, war der Wunsch entstanden, in 2023 einen Wettkampf mit möglichst vielen TV Förster Triathleten zu bestreiten, um dabei neben unserem oft individuell ausgeübten Sport, auch eine gemeinsame Zeit verbringen zu können. Dabei war relativ schnell klar, dass es sich maximal um eine Mitteldistanz handeln sollte, wollten wir doch ein möglichst breite Masse an Teilnehmenden ansprechen. Für die Langdistanzler war dies auch vollkommen in Ordnung, versprach die Mitteldistanz doch vollen FAME bei halber PAIN.

Die Wahl fiel auf die Challenge Walchsee im gleichnamigen österreichischen Ort, nahe der deutschen Grenze, in der Region Kaiserwinkl, bekannt auch durch das Skigebiet Wilder Kaiser. Die Veranstaltung besticht durch eine kompakte Wechselzone am See, vier Runden um denselben beim abschließenden Halbmarathon, das Ganze touristisch ansprechend vor alpenländische Kulisse. Kurzum, die Veranstaltung ist nicht nur für die Teilnehmenden interessant, sondern auch für begleitende Familienmitglieder als Zuschauer.

Der Wettkampf wurde 2010 das erste Mal ausgetragen, damals noch jährlich im September. Aus dieser prähistorischen Epoche stammt vermutlich auch das Profilbild auf unserem Facebook-Account. Bekannt wurde der Wettkampf in der Szene auch dadurch, dass es eben im September schon zu jahreszeiten- und gebirgsspezifischen Wetterkapriolen kommen konnte. So konnte man beispielsweise 2016 bei knapp 30 Grad in der Sonne im Startblock stehen, während es ein Jahr später bei strömenden Regen und 10 Grad aus Sicherheitsgründen zu einer Verkürzung der Schwimm- und Radstrecke kam. Nachdem die 2017er Ergebnisliste dann bei rund 1/3 der Teilnehmer DNS für „did not start“ auswies, zogen die Veranstalter die Notbremse und verlegten fortan den Wettkampf in den Juni/Juli.

Challenge Walchsee 2016

Challenge Walchsee 2017

 

Vergangenes Wochenende war es dann für uns soweit. Eine Delegation von ca. 25 TV Förstern mit Familien, Kindern und Enkeln reiste in unser Nachbarland, um dort beste badische Triathlonkunst feilzubieten. Während eine Vorhut schon donnerstags anreiste, kam der überwiegende Teil am Freitag an. Ungefähr ab der Grenze steigt von Ort zu Ort der Anteil an Menschen mit bunten Socken, rasierten Beinen und irgendwelchen Sachen aus Carbon expontentiell an, bis man in Walchsee selbst ankommt. Unser gewähltes Hotel Bernhard verdient sicher das Prädikat „zentral“, sind doch alle Wettkampforte tatsächlich nur einen Steinwurf entfernt. Leider trägt es auch die Eigenschaft „verkehrsgünstig“, was einige von uns mit Zimmer zur Hauptstraße erleiden mussten.

 

Nach der Ankunft bewies unser Abteilungsleiter, dass er in Sachen Funktionärsarbeit auch auf europäischer Ebene mehr als mithalten kann. Nachdem er unser Revier markierte, fing er sofort an, sich mit den wichtigen örtlichen Schlüsselpositionen zu vernetzen, zuvorderst mit den älteren Damen im Bierausschank im Afterracezelt, was für ein Fuchs.

 

Chef bei der Arbeit

 

Im Ort selbst herrscht emsige Betriebsamkeit, überall wuseln potentielle Challenge Teilnehmer durch die Straßen und Cafés, es joggt und biked überall, in der Luft ein ständiges Surren von Scheibenrädern und Ultegra-Schaltungen. Alles in allem, so wie wir uns den Wettkampfort ausgemalt hatten, wenn, tja wenn, das Wetter nicht gewesen wäre….

 

Ein paar Sonnenstrahlen am Samstag

 

Es scheint, als wären die örtlichen Tiefdruckgebiete auch nicht auf der Worschdsupp dahergschwomme gewesen, sondern hatten die Finte der Veranstalter mit der Terminverlegung von September in den Frühsommer durchschaut. Seitdem wiederholt sich auch beim neuen Termin dieses Spiel mit jährlich wechselnden gutem und schlechtem Wetter und letztes Jahr war gutes Wetter ….

 

Mit Hoffnung auf Wetterbesserung, nutzen wir den Tag zu kleinen Vorbelastungen, Cappuccino auf der Seeterrasse oder Abholung der Startunterlagen. Als Dreingabe hat der Veranstalter die Startunterlagen in eine neue Variante von Rucksack gepackt, der sehr praktisch aussieht und den man super zu ……..ja zu was eigentlich nutzen kann? Vermutlich zu steilen Bergläufen oder GA1 Läufen ab 30km mit zwei Trinkflaschen. Egal, ist auf jeden Fall eine Bereicherung für die üppige Rucksacksammlung eines jeden Triathleten.

 

Rucksack Challenge Walchsee 2023

 

Ein Blick aus dem Hotelfenster am Samstagmorgen bringt die Erkenntnis, dass es nachts durchgeregnet hat. Im Frühstücksaal treffen wir uns zu einem ordentlichen Frühstück, die Laune der dortigen Servicekraft entspricht in etwa den Wetterverhältnissen. Im Laufe des Tages hört es dann auf und nachmittags kommt sogar kurz die Sonne raus. Um 16:30 Uhr heißt es dann Schlange stehen zum Bike-Checkin. Die Wechselzone ist übersichtlich, die Plätze sind schnell zu finden, der Helm muss drinbleiben. Die Wechselbeutel können an Hängeständer gehängt werden, allerdings tragen diese keine Einzelnummern, sondern sind nur mit Nummernbereichen grob beschriftet und die Schnüre der Beutel sind an S-förmige Haken zu hängen, für morgen heißt das ufbasse. Da es wieder zu regnen anfängt, nehmen die meisten Teilnehmer ihre Beutel wieder mit.

 

Ein Schnappschuss in Nähe Schwimmstart

 

 

Nachdem die Pastaparty vom Veranstalter durch einen 10 EUR-Gutschein abgelöst wurde, man den aber schlecht essen kann, gehen wir abends zum örtlichen Postgasthof Fischerwirt und stärken uns mit Tiroler Spezialitäten. Leider zeigt sich beim abendlichen Checken einschlägiger Wetterapps, dass absolut kein Anbieter, das von uns gewünschte Wetter für den Folgetag im Angebot hat. Die Vorhersage bringt Regen und erst ein Aufklaren am Nachmittag. So langsam dämmert es uns, dass die Bilder von braungebrannten Triathleten, die lächelnd bei Sonnenschein um den Walchsee laufen, wohl das Ergebnis einer stundenlangen Photoshop-Orgie gewesen sein müssen. Deshalb gilt für die Zukunft, Augen auf, bei der Wettkampfwahl. Wie wir lernen durften, gibt es nun mal einen meteorologischen Grund für saftig grüne alpenländische Wiesen im Hochsommer.

 

Sonntag ist es dann soweit, Raceday. Das Hotel bietet schon früh Frühstück an, die Wettervorhersage war verlässlich, draußen schifft es. Wir frühstücken gemeinsam und bringen dann unser Material in die Wechselzone. Im Wechselzelt stehen dicht gedrängt zahlreiche Teilnehmer und suchen Schutz vor dem Regen. Vermutlich waren diese aus den Nachbarorten angereist und hatten nun keine andere Unterstellmöglichkeit mehr. Wir hingegen konnten den Luxusstandort unseres Hotels nutzen und uns nach Verlassen der Wechselzone für den Schwimmstart umziehen. Mit Neopren traten wir dann um 8 Uhr unsere kurze Wanderung zum Schwimmstart am Ortsanfang von Walchsee an. Der Moderator heizt dort schon die Menge an und interviewt einen Starter, was ihm gut an diesem Rennen gefiele. Angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen ein, wie ich finde, riskantes Unterfangen. Der Teilnehmer gibt dann zum Glück sozial erwünschte Antworten und das Startprozedere kann weitergehen.

 

Um 08:30 Uhr starten die Profis, ab 08:45 Uhr geht es für die Agegrouper, sprich uns, in den Rolling Start, nachdem wir uns zuvor in drei unterschiedliche Startblöcke einsortieren konnten.

 

Schwimmstart der Profis

 

Die Schwimmstrecke ist sehr gut angelegt. Durch den Rolling Start kommt man gut ins Wasser und kann dann kerzengerade an großen Bojen entlangschwimmen, die Sichtverhältnisse sind gut. Der Ausstieg ist ein wenig tricky, muss man doch auf ein Podest krabbeln, wird aber bei Bedarf von Helfern hochgehievt. Dann eine kleine Strecke hoch zur Wechselzone, hin zu den Ständern mit den Wechselbeuteln.

 

Hier bekommt dann der ein oder andere ein Déjà-vu und fühlt sich in eine Kindheitserinnerung zurückversetzt. Man steht als Kind auf dem Jahrmarkt vor einer Bude mit tausenden von verwurstelten Schnüren. Man müsse lediglich sein Taschengeld investieren, an der richtigen Schnur ziehen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, würde man einen der am Ende der Schnur befestigten Hauptpreise gewinnen, so das Versprechen des jungen Mannes, der zum Mitreisen gesucht und gefunden wurde. Regelmäßig waren dann die eingesetzten 50 Pfennig futsch und man hatte dann nur noch Geld für einen, von Zahnärzten entwickelten, rot kandierten Apfel am Stiel. Parallelen finden sich heute in der Wechselzone. Sobald man die Stelle des Wechselbeutels gefunden hat, muss man feststellen, dass morgens noch weitere 5-10 Starter ihren Beutel an den gleichen Haken gehängt hatten. Nachdem dann die ersten Ankömmlinge ihre Beutel mittel Drehbewegungen herausgefischt hatten, blieb für die nachfolgenden ein wildes Knäul übrig. Nachdem diese Hürde genommen wurde, rein in das Wechselzelt, Umziehen, teilweise noch weitere Kleidung über den Einteiler, dann zum Rad und erst einmal das Visier am Helm abtrocknen, um einigermaßen Sicht zu haben. Dann geht es endlich raus auf die Straße Richtung Kössen, auf die erste der beiden identischen Runden von je rd. 43km bei rd. 1.100hm über die gesamte Strecke.

 

Da die Straßen noch sehr nass mit Pfützen sind, fahren viele Radfahrer sehr vorsichtig, an den Engstellen ist der 12m Abstand kaum möglich. Umgekehrt ist es an diesen Stellen auch nicht möglich schnell zu fahren, man muss öfters bremsen, um nicht den Vordern aufzufahren, was man aus dem Windschatten gewinnt, verliert man durch fehlende Geschwindigkeit.

 

Auf der zweiten Runde erkennt man dann die Stellen mit ruppigen Straßenbelag an den herumliegenden Fahrradflaschen. Auf dem Anstieg von Ebbs nach Walchsee hatte ein Fahrradrowdy es sogar geschafft, einen Pylonen umzufahren …

 

Am Ende der zweiten Runde geht es wieder in die Wechselzone, das gleiche Spiel mit den Schnüren, nur an anderer Stelle und dann geht es auf die Laufstrecke, Runde eins von vieren, rund um den Walchsee. Der Einstieg liegt im Zielbereich, die Strecke hat viele Zuschauer, das Wetter klart etwas auf, somit kommt man gut in Schwung. Auf der Strecke gibt es mehrere Verpflegungsstellen, der Streckenverlauf ist leicht wellig, Kilometerschilder an der Strecke erleichtern das Herunterzählen.

 

Daniel bei Runde ?

Ist die vierte Runde gelaufen, darf man bei der Wechselzone links abbiegen und endlich durch den Zielbogen laufen, es ist geschafft. Man bekommt die obligatorische Medaille um den Hals, dieses Jahr aus Holz. Vermutlich kann man darauf sich sein Zielzeit bei örtlichen Schnitzereien verewigen lassen.

Nach und nach vervollständigt sich unsere Startergruppe im Afterracebereich und die gute Nachricht heute lautet, dass alle unfallfrei durchgekommen sind. Mittlerweile scheint die Sonne wie zum Hohn und will uns scheinbar zeigen, wie gut es hätte sein können. Im Afterracezelt bekommt man eine Tüte in der Form, wie früher am weißen Sonntag der restliche Kuchen an die Verwandtschaft verteilt wurde, heute allerdings gefüllt mit regionalen Brötchen, Landjäger, Käse und Muffin. Daneben Obst, zahlreiche Softdrinks sowie Bier mit und ohne Umdrehungen.

 

Im Anschluss verlassen wir den Aftreracebereich im Hinterausgang und stehen quasi auf der Terrasse unseres Hotels, auf der wir dann das Rennen gemütlich ausklingen lassen. Am späten Nachmittag gehen wir dann zur Siegerehrung in der Nachbarstraße, um unseren Preisträgern zu applaudieren. Für den Sieg in den Altersklassen gibt es einen freien Startplatz bei der Challenge Smarkant. Während wir uns noch fragen, in welchen der skandinavischen Länder sich der Ort wohl befinde, gibt uns Rolf geographische Hilfestellung. Smarkant liegt in Usbeskistan, zahlreiche Flugstunden von Deutschland entfernt. Ob für diesen Hotspot die Challengefamilie noch Restplätze zu verteilen hatte? Ein Schelm, wer dabei Böses denkt…

 

1.    Platz für Ralf in seiner Altersklasse

 

Abends gehen wir dann im Nachbarort Ebbs nochmals als Gruppe zum gemeinsamen Abendessen, bevor der lange Tag sich dem Ende neigt. Lang auch deswegen, weil im gegenüberliegenden Hotel nach eine lautstarke Afterraceparty bis in die späten Abendstunden im Gange ist.

 

Am Montagmorgen heißt es dann ein letztes gemeinsames Frühstück, Autos packen und dann den Heimweg antreten.

 

Fazit: Ein schönes gemeinschaftliches Erlebnis mit Vereinsmitgliedern und Familien. Die Challenge Walchsee und die Region sind super, wenn das Wetter mitspielt. Da einige von uns schon zum wiederholten Male damit am Walchsee Pech hatten, würden wir in Zukunft nach anderen Wettkampforten Ausschau halten. Wer es gerne warm hat, dem sei das kontinentale Klima mit Höchsttemperaturen von 40 – 50 Grad im Juli in der Republik Usbekistan empfohlen, die Challenge Smarkant soll ein schöner Wettkampf sein 😉

 

Habe die Ehre, Christian

 

 

Zielzeiten und Platzierungen:
Rolf: 4:36:35 ➡️ 3. Platz AK 50
Michael: 4:59:32
Christian: 5:04:31 im absoluten Zeitdouble mit
Martin: 5:04:31
Andreas: 5:07:59
Ralf: 5:09:15 ➡️ 1. Platz AK 60
Jürgen W.: 5:09:46
Hilmar: 5:19:22
Jürgen H.: 5:44:25
Daniel: 5:58:53

Beim Aquathlon war unser Abteilungsleiter, Bernd mit 4:07:08 im Ziel

Bei den Staffeln konnten unsere zwei Damen, Angelika und Sabrina, den 2. Platz für sich gewinnen in 4:50:25

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