Unsere „Road to Roth“ 2022 (Teil 1)

Ein Bericht von Christian

Am Freitag den 01.07.2022 sitzen vier Männer um die fünfzig auf einem Fußballplatz eines 500 Seelendorfs in der unterfränkischen Provinz und frieren….

Um der Frage nach dem Warum nachzugehen, muss man in das Jahr 2019 zurückgehen. Damals hatten sich Bernd und Jörg aus einer Bierlaune heraus das Versprechen gegeben, mit 50 eine Langdistanz zu absolvieren.

Bei Martin war der Treiber eine schicksalhafte Begegnung mit einem Youtube Filmchen über den legendären Solarer Berg, das er sich beim Rollentraining ansah. Derart angefixt, lies seine Anmeldung bei der Challenge Roth 2020, als Debut auf der Langdistanz, nicht lange auf sich warten. Nun machte Corona den Dreien leider einen Strich durch die Rechnung, so dass der Start in das Jahr 2022 kippte.

Bei der Saisonplanung 2022 wollte der Autor dieser Zeilen hingegen seine geplante Langdistanz beim Marktbegleiter Ironman machen. Nachdem die Ironman-Corporation auf Grund des coronabedingten Staus bei Hawaiistartern, die Hawaii Slots 2022 zeitweise dermaßen reduzierte und damit die Qualifikationschance von minimal auf unmöglich regulierte, war der Start in Roth eine willkommene Alternative.

Soviel Enthusiasmus sprach sich dann auch beim Schwimm- und Paintrainer Christian herum, so dass dieser auch auf diesen Zug aufsprang und mit einer salbungsvollen Mail an den Veranstalter, auch nach dem ausverkauften Anmeldetermin noch zu einem Startplatz kam. Damit war Ende 2021 der Startschuss für die Vorbereitungen gefallen.

Kurz vor Weihnachten mussten die Roth-Aspiranten dann jedoch innerhalb des Vereins verdächtige Veränderungen beim einem Vereinskollegen feststellen. Hätte man den zu beobachtenden Körpergewichtsverlust noch als normale Schwankung des Lebens abtun können, so eröffneten doch die massiven Beschaffungsvorgänge an Sportequipment Raum für Spekulationen. Aus diesen Verdacht wurden dann schnell Gewissheit. Unser Routinier Michael alias Blumi konnte das Feld in Roth nicht den vielen Rookies überlassen und musste in das Geschehen eingreifen. Ausgestattet über einen Startplatz in der Nikolausaktion der Challenge Roth, war er nun ebenfalls mit von der Partie.

Was dann folgte, war der normale Wahnsinn der Langdistanzvorbereitung. Je nach Trainingsplan 6-8 Monate Vorbereitung, mit 10-20 Wochenstunden, vielen hundert oder tausend Schwimm-/Rad-/Laufkilometer. Je nach Neigung auch ergänzt um Athletiktraining, Gepfriemel am Equipment, Infos über Ernährung und Stoffwechsel und gesteigertes Interesse am eigenen Körpergewicht, je näher der Wettkampftag kommt. Das auf dem langen Weg dorthin auch vieles in Form von Verletzungen, Familien- und Berufsleben dazwischenkommen kann, liegt in der Natur der Sache. Vor diesem Hintergrund musste leider auch unser Paintrainer seinen Start absagen sowie Michael O. von den Kraichgauern, den wir zwischendurch in unsere Trainingsobhut aufnehmen durften.

Neben der sportlichen Vorbereitung, gilt es natürlich auch, die Reise zum Ort des zukünftigen Triumphes zu planen. Dies ist im Fall Roth, nun ja, halt anders. Frägt man die einschlägigen lokalen Beherbergungsbetriebe an, bekommt man recht schnell die Auskunft, dass man dort auf Grund einer sportlichen Großveranstaltung ausgebucht sei. Die Möglichkeit eines warmen Bettes am Wettkampfwochenende scheint über undurchsichtige Strukturen auf Jahre hinaus vergeben. Man kann es also drehen und wenden wie man möchte, will man kurze Wege am Wettkampftag haben, landet man früher oder später beim Camping. Nun ist Triathlon ja nicht unbedingt als ausrüstungsarme Sportart bekannt. Im Camping scheint diese Eigenschaft ihren passenden Seelenverwandten gefunden zu haben.

Was lange Zeit ganz weit weg war, war plötzlich ganz nah, nämlich die Raceweek. Unsere illustre Gruppe hatte sich grob darauf verständigt von Freitag bis Montag nach dem Rennen am Wettkampfort zu campen. Bernd und Michael reisten als Vorhut schon Donnerstagabends an, um eine geeignete Campingstelle auszukundschaften. Die erste Anlaufstelle des Landwirts in Heuberg, Gastgeber für viele Teilnehmer in den Vorjahren, hatte sein Angebot zwischenzeitlich eingestellt. Glücklicherweise hatte sich der benachbarte Sportverein (https://www.sv-heuberg.de/camping-datev-challenge-roth/) mit seinen Fußballplätzen über die Jahre hinweg zum brauchbaren Campinganbieter professionalisiert. Dort wurde dann unser Basislager aufgeschlagen und Plätze für die Nachzügler reserviert. Abgerundet durch ein Begrüßungsbier der lokalen Vereinsoberen, ging der Donnerstag zu Ende.

 

Am Freitag stießen dann Martin und Christian mit ihren Wohnmobilen hinzu. Dann ging es gleich von Heuberg nach Roth, um dort die Startunterlagen abzuholen und sich mit den örtlichen Begebenheiten vertraut zu machen. Die komplette Infrastruktur ist schon aufgebaut. Um die Startunterlagen zu holen, müssen wir erst durch die riesige Sportmesse. Alles was im Ausdauerbereich Rang und Namen hat ist vertreten, daneben ein Parketthersteller der scheinbar das Messeprofil nicht richtig gelesen hat und die Bundeswehr, die sich vielleicht als Hafen für Menschen mit zeitraubendem Hobby präsentieren möchten. Im Afterrace-Zelt bekommen wir unsere Startunterlagen, den Rucksack muss man aber, Nachtigall ick hör dir trapsen, im Merchandising-Zelt abholen.

Wir lösen dort gleich den Essensgutschein auf einer Art Festplatz mit verschiedenen Essensbuden ein, ein zentrale Pastaparty wollte man aus nachvollziehbaren Gründen vermeiden.

 

Derart gestärkt kehren wir zurück zu unserem Campingplatz nach Heuberg und mit untergehender Sonne wird es kalt….

 

Fortsetzung folgt….

 

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